Der gegenwärtige bewaffnete Konflikt in Libyen scheint sich seinem Ende entgegen zu neigen und die Flucht oder Gefangennahme des Staatschefs und Diktators Muammar Al-Ghaddafi scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. So gesehen wird von der Mehrzahl der westlichen Politiker und von der Journaille das Eingreifen der NATO in den libyschen Bürgerkrieg durch die Verhängung der Flugverbotszone als Erfolg gefeiert. Es ist nie schade, wenn Diktatoren von der Macht verdrängt werden. Immer jedoch stellt sich die Frage, mit welchen Mitteln das geschieht. Die von der UN-Resolution getragene Flugverbotszone über Libyen wurde von den Luftstreitkräften vor allen Dingen Frankreichs und Großbritanniens vornehmlich dazu genutzt, militärische Kräfte und Einrichtungen Ghaddafis am Boden zu zerstören. So gesehen wurden die von der UN-Resolution gesteckten Rahmenbedingungen weit überschritten. Nun sickert sogar durch, dass Spezialkommandos der NATO am Boden in Libyen unterwegs sind. Jeder Mensch, der eine pazifistische Grundeinstellung in sich trägt, muss diese Vorgehensweise ablehnen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Resultat der westlichen Einmischung den Bürgerkrieg nicht aus der Welt schaffen wird.
In Deutschland gab es bereits vor Bekanntwerden der Pläne für eine sogenannte Flugverbotszone von Seiten des Bundesausschusses Friedensratschlag am 8. März dieses Jahres mahnende Stimmen, die vor den Folgen einer militärischen Intervention in Libyen warnten. Dieser Ausschuss stellt einen Zusammenschluss der größten und wichtigsten Antikriegsgruppen in der Bundesrepublik dar. Der Friedensratschlag konstatierte, dass die Einrichtung der Flugverbotszone eine Kriegshandlung darstelle. Und so kam es dann auch. Es wurde ein Krieg aus der Luft gegen den libyschen Staat geführt. Das kann nicht gutgeheißen werden, so unbeliebt der libysche Staatschef Ghaddafi auch sein mag. Unrecht kann mit Bomben nicht beseitigt werden. Die Zurückhaltung der Bundesrepublik durch ihre Stimmenthaltung im UN-Sicherheitsrat bei der Abstimmung über das militärische Eingreifen der NATO in Libyen mag man gutheißen, jedoch war diese Stimmenthaltung auch nur geheuchelt. Zu gern wären Merkel, Westerwelle und Co. dabei gewesen, hätten sie nicht befürchten müssen, dafür bei der nächsten Wahl abgestraft zu werden. Der Widerwille gegen kriegerische Handlungen in der deutschen Bevölkerung sitzt zu tief und eine Beteiligung deutscher Streitkräfte hätte hier keine Akzeptanz gefunden. So stimmt man hier (zum Glück) auch nicht in das jetzt angestimmte Siegesgeheul der westlichen Allianz ein.